Vor kurzem haben meine Eltern goldene Hochzeit gefeiert. Unsere ganze Familie war erst im Restaurant beim Essen. Dann waren wir in meinem Elternhaus zum geselligen Beisammensein und dann am späten Nachmittag sind wir noch in die kleine Kirche gefahren, in der meine Eltern vor 50 Jahren geheiratet haben. Dort haben wir gemeinsam ein paar Lieder gesungen und mein Sohn hat ein Gebet vorgetragen.
Alle waren sich einige, dass der bereicherndste Raum die Kirche war. Denn dieser Raum war das natürliche Epizentrum der Beziehung meiner Eltern.
Wenn wir uns in passenden Räumen aufhalten, dann ändern sich die Geschichten, die wir uns meist unbewusst erzählen. Wir haben die Chance, uns zu verändern und zu wachsen.
Wie eine Pflanze im Gewächshaus.
Geschützt vor Wind und Wetter.
Kein Wunder, dass die Fußball-Stadien voll sind. Hier treten alltags-frustrierte Stimmen in den Hintergrund. Fan-Gesänge und Gefühle der Zugehörigkeit beherrschen den Raum. Und Heerscharen von Männern sind unendlich dankbar dafür.
Wenn es mir nicht gut geht, dann betrete ich meine Lieblings-Räume.
Wenn ich Inspiration und Vision brauche, dann gehe ich mit Freunden zum wandern. Gute Gespräche verändern meine Gedankenwelt, mein Körper liebt die frische Luft und auf dem Gipfel erwartet mich ein Gefühl der Klarheit. Wandertage bekommen in meinem Tagebuch praktisch immer die Note 1.
Wenn ich gestresst bin, dann fahre ich in meine bevorzugte Therme und mache drei bis fünf Saunagänge mit Aufgusszeremonie. Ich mag die Gemeinschaft dort, die Hitze, die mich raus aus dem Kopf und rein in meinen Körper bringt. Nach 4 Stunden komme ich als anderer Mensch wieder raus.
Wenn ich mich leer fühle und es gerade Sonntag ist, dann besuche ich auch mal einen Gottesdienst. Es tut gut, mich eine Stunde lang in einem Raum mit anderen Menschen aufzuhalten, in dem es nicht um mich geht, sondern um etwas Größeres. Danach fühle ich mich nicht mehr leer, sondern still und manchmal sogar beseelt. Interessant, dass in Deutschland so wenige Menschen die Potentiale dieses Raums nutzen.
Was ist an der Beschäftigung mit Räumen stoisch?
Weil ich mich proaktiv für Räume entscheide.
Und damit mein Leben aktiv gestalten kann statt passiv immer in den gleichen Räumen zu bleiben.
Wenn jemand fundamental unzufrieden ist mit seinem Leben oder wenn die Lebensräume eines Menschen diesen sogar krank gemacht haben, dann sollte man auch mal darüber nachdenken, die Lebensräume grundsätzlich zu ändern.
Neue Schule, neue Freunde, neuer Arbeitgeber? Ein Umzug in ein anderes Land oder in eine WG?
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die Lebensräume zu wechseln, wenn wir bereit für Experimente sind.
Wenn ich Menschen begegne, denen es richtig dreckig geht, dann empfehle ich manchmal das Buch und die Website EUROTOPIA:
https://eurotopia.de/
Darin finden sich hunderte Lebensgemeinschaften in ganz Europa.
Hunderte eigene Welten…ein Schatz für Seelennahrung und Neuanfänge.
Neuer Ort, neue Menschen, neue Kultur, neue Geschichten, neue Glaubenssätze.
Das kann eine große Chance sein und ich habe schon verzweifelte und geknickte Menschen erlebt, die in einer veränderten Umgebung richtig aufgeblüht sind.
Wenn du zufrieden mit deinen derzeitigen Räumen bist, umso besser. Genieße sie.
Du kannst dir auch mal die Räume, die dir gut tun, genauer betrachten.
Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass in meinen Lieblingsräumen immer viele Menschen da sind. Gleichzeitig arbeite ich die meiste Zeit im Homeoffice vor mich hin…das gibt mir zu denken und ich bin dabei, das zu ändern.
Ich lade dich dazu ein, dich mit deinen Räumen zu beschäftigen:
In welchen Räumen hältst du dich in deinem Alltag auf?
Welche schenken Energie, welche rauben Energie?
In welchen Räumen blühst du auf und wie könntest du mehr solcher Räume in dein Leben bringen?
Lebensveränderung beginnt oft nicht mit großen Entscheidungen, sondern mit kleinen Raumwechseln.