Mark Aurel (121–180 n. Chr.)

Marc Aurel - römischer Kaiser und stoischer Philosoph

Von Anfang an

Der zukünftige Kaiser Mark Aurel wurde in Rom als Nachfahre bedeutender Politiker geboren. Schon als junger Mann bekam er die Beachtung des Kaisers Hadrian, der ihn aufgrund seiner Wahrheitsliebe und seines positiven Ernstes liebevoll “Verissimus” (“der Wahrhaftigste”) nannte und bereits im ungewöhnlich jungen Alter von acht Jahren ins Priesterkollegium der Salier aufnehmen ließ. Seit der von der stoischen Philosophie besessene Mark Aurel zwölf Jahre alt war, schlief er nur noch auf dem hartem, unbequemen Boden, wie seine Philosophen-Vorbilder es ihm vorgelebt hatten.

Adoptivsohn des Kaisers

Vor dem Tod Kaiser Hadrians veranlasste dieser noch, dass sein Nachfolger, Antoninus, den jungen Mark Aurel (und einen weiteren jungen Macht-Anwärter namens Lucius Verus) adoptieren würde. Nach dem Tode Hadrians, förderte der neue Kaiser jedoch hauptsächlich Mark Aurel, den er nie von seiner Seite weichen ließ und bereits als jungen Mann immer wieder um seine Meinung und seinen Rat bat. Zum Beispiel verließ er sich in Fragen bestimmter Personalien stets auf das Urteil Mark Aurels, der immer wieder ein beeindruckendes Gespür dafür bewies, welche Stelle durch welche Personalie am besten zu besetzen sei. Dabei wurde von ihm nicht nur abgewogen, welche Person für die Stelle besonders kompetent ist, sondern auch wie sich der jeweilige Mensch zu den umliegenden und verbundenen Menschen in Beziehung befindet und charakterlich mit diesen harmoniert.

Ernennt seinen Bruder zum Nebenkaiser

Als der Ehrenmann Mark Aurel im Jahr 61 durch den Tod seines Adoptivvaters Antoninus selbst zum Kaiser wurde, bestimmte er direkt seinen Adoptivbruder, Lucius Verus, als Nebenkaiser. Mark Aurel hielt den leicht höheren Rang und regierte das Reich, während Lucius Verus die zahlreichen Feldzüge leitete, die aufgrund verschiedener Bedrohungen der Reichsgrenzen notwendig waren.

Stark gefordert

Der Stoiker Mark Aurel hatte viele Herausforderungen zu meistern, z.B. die antoninische Pest, eine massive Überschwemmung durch den Fluss Tiber, mehrere Einfälle verschiedener germanischer Stämme an der Nordgrenze des Reiches und Unruhen in der armenischen Provinz. Aber auch die menschliche Herausforderung, sein philosophisches Wesen und Streben in Einklang mit seiner Position als Kaiser zu bringen, stellte für ihn eine ernstzunehmende Herausforderung dar, die er nicht auf die leichte Schulter nehmen wollte. Er schrieb hierzu später an sich selbst:

„Hüte dich, dass du nicht ein tyrannischer Kaiser wirst! Nimm einen solchen Anstrich nicht an, denn es geschieht so leicht. […] Ringe danach, dass du der Mann bleibest, zu dem dich die Philosophie bilden wollte.”

Der gewissenhafte Richter

Mark Aurel war in dieser Bemühung unbestritten außerordentlich gewissenhaft. Beispielhaft für seine innere Verpflichtung gegenüber den eigenen Ansprüchen ist seine Rolle als oberster Richter des Reiches. Er urteilte nie schnell und unbedacht. Selbst als er nach dem Tod seines Adoptivbruders und Mitkaisers als oberster Feldherr selbst an die Front gebunden war, ließ er die Menschen in Rechtsangelegenheiten zu sich kommen und nahm sich bei den Verhandlungen ausgiebig Zeit, um jeden Fall zu bedenken. Die Redner bekamen üppige Redezeiten und oftmals widmete der Stoiker einem einzigen Fall elf oder zwölf Tage Bedenkzeit, bevor er zu einem wohl durchdachten Urteil kam. Er machte es sich nie leicht.

Versöhnlichkeit selbst bei höchstem Verrat

Er führte sein Leben und Reich voller Ehrgefühl und verfiel niemals den Gefahren der Selbstverliebtheit oder des Narzissmus, zu denen die Machtposition eingeladen hätten. Selbst als der von ihm geförderte Feldherr Avidius Cassius, den Mark Aurel mit seiner eigenen Tochter verheiratete, rebellieren und den guten Kaiser stürzen wollte (was wenig aussichtsreich war, da Mark Aurel eine starke Anhängerschaft hatte), bedauerte er, dass er ihm nicht mehr vergeben und ihn als Freund in seine Arme schließen konnte, weil er vorher von seinen Gefolgsleuten geköpft wurde. Anschließend weigerte er sich, den Kopf des selbsternannten Rivalen anzusehen, den man ihm zum Geschenk machen wollte.

Auswirkung

Mark Aurel wurde Zeit seines Lebens und auch lange danach zutiefst verehrt und erhielt den Beinamen des Philosophenkaisers. Seine Selbstbetrachtungen sind vielen Menschen bis heute eine tiefgründige Quelle der Inspiration und Motivation, sich zu vervollkommnen und ein gutes Leben zu führen. Sie gelten als das letzte bedeutende Schriftwerk der Stoiker, und als die Kulmination aller bis dahin gereiften stoischen Gedanken und Ideale.

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